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Konzeption der Ausstellung

›Homestory Deutschland‹ ist ein kollektives Selbstporträt. Es greift afrikanische, afrikanisch amerikanische und Schwarze deutsche Erinnerungstraditionen auf, in denen der mündlichen und schriftlichen Weitergabe von gelebter Erfahrung eine maßgebliche Rolle zukommt. Schwarze Perspektiven und Reflexionen, Beiträge und Verdienste erfahren dabei als Quelle eines vielstimmigen und gemeinschaftlichen Wissens eine besondere Würdigung. Mit der Zusammenschau von siebenundzwanzig visuell aufbereiteten Biografien Schwarzer Männer und Frauen aus drei Jahrhunderten lässt sich einerseits exemplarisch erhellen, in welcher Weise sich gesellschaftliche und damit systemische Rahmenbedingungen in einzelne Lebensgeschichten einschreiben und diese formen und prägen. Andererseits wird es möglich, individuelle Verhandlungen und Entscheidungsfähigkeiten nachzuvollziehen und den ihnen innewohnenden aktiven und bewussten Gestaltungswillen hervortreten zu lassen, der die stete und oftmals mühsame Auseinandersetzung mit der weißen Mehrheitsgesellschaft eindrucksvoll bezeugt.

Während sechs bebilderte, stichpunktartige Zeitleisten die Existenz einer Schwarzen Geschichtlichkeit von der Frühen Neuzeit bis in die Gegenwart faktisch belegen und damit den historischen Rahmen verdeutlichen, sind die einzelnen Biografien bewusst keiner chronologischen Ordnung unterworfen, sondern stehen neben- und miteinander. Vergangene und gegenwärtige Lebensgeschichten kreieren so ihre eigene Raum/Zeit, überlagern sich, hallen ineinander wider und verknüpfen sich ständig neu. Das dadurch entstehende, Generationen verbindende, kommunikative Spannungsverhältnis erschwert es den BetrachterInnen, sich den porträtierten Personen aus sicherer Distanz zu nähern. Es gibt weder zeitlose noch vergangene Biografien, sondern sie sprechen alle – als Geschichten in Bewegung – im Hier und Jetzt. Sie fordern Interaktion.

Wall of Fame

Das Hauptelement der Ausstellung, eine aus drei Modulen zusammengefügte Wand, ist mit Drehtafeln versehen, auf deren Vorderseiten Porträtfotografien der präsentierten Personen aufkaschiert sind und auf deren Rückseiten sich die entsprechenden biografischen Texte finden. Um an die gewünschten Informationen zu gelangen, müssen die Tafeln bewegt werden. Durch die Interaktion der AusstellungsbesucherInnen wird die Optik der Module ständig verändert, woraus sich immer wieder neue und spannende Wandkompositionen ergeben. Gleichzeitig sind damit sowohl der »Blick hinter die Fassade« als auch »Geschichte in Bewegung« visualisiert.

Ausblick

Der Ausblick ist in das dritte Wandmodul integriert. Hinter eine Acrylglasplatte, auf der kurze Statements von Schwarzen Jugendlichen zu lesen sind, denen als neuer Generation das »letzte Wort« zusteht, können BesucherInnen ihren schriftlichen Kommentar einwerfen. Da die Zettel nicht gefalzt werden sollen, bleiben die entsprechenden Aussagen zumindest fragmentarisch zugänglich. Auf diese Weise werden zwei Ebenen gleichzeitig visualisiert: die Perspektiven der Schwarzen Jugendlichen und die der BesucherInnen.

Medienmodule

Die Medienmodule erlauben dem Publikum einen konkreten Zugang zum künstlerischen Schaffen einiger porträtierter Personen und damit die direkte Auseinandersetzung mit kulturellen und intellektuellen Produktionen von Schwarzen, in Deutschland lebenden Menschen. Zusätzliche Filme, Videos sowie zur Einsicht ausliegende literarische und akademische Veröffentlichungen sollen zu einer weiterführenden Beschäftigung mit dem Thema anregen.

Homestory Deutschland mobil

Neben dem beschriebenen Ausstellungsformat existiert die Homestory Deutschland Ausstellung in einer mobilen Version, in der die Ausstellungsmodule durch Wandtafeln ersetzt wurden. In dieser »Lightversion« mit englischen und französischen Texten war die Homestory Deutschland, in Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut, international zu sehen. Sie wurde bereits in Senegal / Dakar, Elfenbeinküste / Abidjan, Malawi / Lilongwe, Tanzania / Dar es Salaam, South Africa / Johannesburg und Uganda / Kampala präsentiert.

Beide Ausstellungsformate können gebucht werden. Für weitere Informationen zu den Buchungskonditionen wenden Sie sich bitte an: isdbund@isdonline.de